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28.06.2013

Kritik an westlicher Nahostpolitik

Russischer Metropolit Hilarion zu Besuch in Wien.

Heftige Kritik an der westlichen Nahostpolitik besonders gegenüber Syrien übte der Außenamtschef des orthodoxen Moskauer Patriarchats, Metropolit Hilarion (Alfejew), am Freitag, 28. Juni 2013, gegenüber Journalisten in Wien. In keinem arabischen Land, in dem der Westen den Sturz der bisherigen Führung unterstützte, sei Demokratie eingekehrt, so Hilarion. Das Gegenteil sei der Fall, und vor allem die Christen würden unter dem zunehmenden Chaos und Islamismus leiden.

 

Es sei unerklärlich, warum dem Westen das Schicksal der Christen im Nahen Osten dermaßen gleichgültig sei, so Hilarion. Er illustrierte seine Kritik mit dem Schicksal der beiden in Syrien entführten Metropoliten von Alleppo, Mar Gregorios Youhanna Ibrahim und Boulos Yazigi. Diese seien seit mehr als zwei Monaten verschwunden. Niemand wisse, ob sie überhaupt noch lebten. All das kümmere aber weder die westliche Politik noch die westlichen Medien.

 

Gemeinsam gegen Säkularismus und Islamismus

In der gegenwärtigen instabilen politischen und wirtschaftlichen Lage weltweit seien die katholische Kirche und die orthodoxen Kirchen zu verstärkter Zusammenarbeit aufgerufen, betonte Hilarion. Es brauche eine "strategische Union" um gegen die "Probleme der modernen Welt, vor allem gegen "militanten Säkularismus und militanten Islamismus" gemeinsam die Werte des Christentums zu verteidigen. Von einer Einigung in theologischen Fragen seine allerdings die katholische und die orthodoxen Kirchen noch weit entfernt, ergänzte er.

 

Keine Bedenken gegen Blasphemie-Gesetz

Die Russisch-orthodoxe Kirche hat keine Bedenken gegen das neue verschärfte Anti-Blasphemie-Gesetz, das in Russland am 1. Juli in Kraft treten wird, so der Metropolit. Die Entwicklung in den vergangenen Jahren, die u.a. in dem Protestauftritt der Punkband "Pussy Riot" in der Moskauer orthodoxen Erlöserkathedrale gipfelten, hätten dieses Gesetz notwendig gemacht, argumentierte der Metropolit.

Mit dem verschärften Gesetz solle deutlich gemacht werden, dass es Konsequenzen habe, wenn jemand die religiösen Gefühle anderer verletzt. Wenn Kritiker behaupten, dass damit das Menschenrecht auf freie Meinungsäußerung verletzt wird, müsse man dem entgegenhalten, dass es auch das Menschenrecht auf Achtung der religiösen Gefühle gebe. Im Übrigen gebe es entsprechende Gesetze zum Schutz religiöser Gefühle auch in den EU-Staaten, so Hilarion.